Advocatus Bohemiae

2012-02

Ein bislang wenig bekanntes Detail aus meiner Biographie: Zwei Monate lang war ich Zahnarzthelfer im Dienst der Jugoslawischen Volksarmee. Ich wurde als Rekrut in die Kaserne der ostmazedonischen Stadt Strumica abkommandiert, in die dortige Ambulanz. Einfach so. Einfach als Zahnarzthelfer.  

Eines Tages kam in diese Ambulanz ein Soldat mit wunderschönen weißen Zähnen, wobei ein Schneidezahn im Oberkiefer, auch er weiß und gesund, etwas herausragte. Und diesen Zahn wollte der Soldat, ein Roma, sich ziehen lassen.  

„Warum?“, fragte der diensthabende Zahnarztoffizier.  

„Wozu denn das?“, fragte fachmännisch auch der Zahnarzthelfer.  

„Ich möchte mir“, antwortete der Soldat, „an seiner Stelle einen goldenen Zahn einsetzen. Im Zivilberuf bin ich Sänger und Tänzer, und als solcher muß ich immer lächeln. Und ein Lächeln mit einem goldenen Zahn ... verstehen Sie?“  

Ich muß an diese Geschichte immer wieder denken, wenn ich eine große süddeutsche Tageszeitung in die Hand nehme und darin sehe, daß sie mit gekonnter Beharrlichkeit Cerny statt Černý, Skoda statt Škoda, Domazlice statt Domažlice schreibt. (Dagegen aber sehr ordentlich und respektvoll: Jørgensen, Århus, Besançon, La Coruña, Gyrðir Elíasson.) 

 Warum tut das die Zeitung, frage ich mich immer dabei. Wahrscheinlich darum, sage ich zu mir, weil sie ihr süddeutsches Lächeln nicht mit einem herausragenden Zahn in Gestalt eines Hatscheks verunstalten, sondern in ihrem Gebiß nur Gold zeigen möchte. Ich kann mir nicht helfen, aber eine andere Begründung kann ich nicht finden.  

Aber ich möchte gerecht sein.  

Es gibt Menschen, denen ein Hatschek in die Wiege gelegt wurde, die mit ihm groß geworden sind oder die ihn sich im Laufe vieler Lernjahre mühevoll angeeignet haben und die überall, wo sie ein nackertes s, z, c oder r sehen, einen unterdrückten Hatschek wittern und gnadenlos daraus š, ž, č oder ř machen.  

So muß ich häufig auch meinen Vornamen als Jožo geschrieben sehen. Dabei ist die Regel in diesem Fall so einfach: Jozo ist und bleibt Jozo, und Džambo – Džambo.

Jozo Džambo