Wilhelm Pleyer

Biographie

* 8. März 1901, Eisenhammer bei Kralowitz (Kralovice)
+ 14. Dezember 1974, Söcking b. Starnberg
Grabstätte auf dem Friedhof in Starnberg-Söcking, Friedhofstraße

Der Schriftsteller und Journalist Wilhelm Pleyer stammte aus dem Westböhmischen und war das zehnte Kind des Hammerschmiedes Joseph Pleyer (+1930) und seiner Ehefrau Barbara, geb. Löser (+1928). Mit zwölf Jahren wurde Pleyer Schüler im Fürsterzbischöflichen Studentenkonvikt in Duppau (Doupov) bei Karlsbad. Früh prägte ihn die geographische Lage seines Heimatortes - direkt an der Sprachgrenze. Dort war der Nationalitätenkonflikt voll entbrannt und kaum einer konnte sich der aufgeheizten Atmosphäre entziehen. Pleyer entwickelte eine extrem deutsch-nationale, eine völkische Orientierung - und er gab sie auch sein Leben lang nicht mehr auf.

Am Ersten Weltkrieg nahm Wilhelm Pleyer nicht aktiv teil. Schwer traf ihn der Zusammenbruch der Habsburger Monarchie und dessen Folgen für die Deutschen in den böhmischen Ländern. Deshalb betätigte er
sich ab 1919 politisch im völkischen Umfeld und war in Auseinandersetzungen zwischen Deutschen und Tschechen involviert. 1921 legte Wilhelm Pleyer die Reifeprüfung ab. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband mit dem Titel Die Jugendweisen. Lieder und Balladen. Zum Studium ging er an die Deutsche Universität nach Prag und schrieb sich im Wintersemester 1921 ein für die Fächer deutsche und slawistische Philologie, Geschichte, Kunstgeschichte sowie zeitgenössische Philosophie. Auch in Prag beteiligte er sich an handfest ausgetragenen, politisch motivierten Ausschreitungen.

Während des Studiums, das er größtenteils selbst finanzierte, arbeitete Pleyer als Hauslehrer und half in Anwaltskanzleien. Er volontierte in den Redaktionen der „Deutschen Landpost“ und der „Sudetendeutschen Tageszeitung“. 1924 erschien sein zweiter Gedichtband Aus der Spaßvogelschau. Im gleichen Jahr wurde er Redakteur der politischen Zeitschrift „Rübezahl“ und ab 1925 auch des nationalen Reichenberger Wochenblattes „Norden“. Für diese Tätigkeiten unterbrach er sein Studium und zog ins nördliche Böhmen, wo er fortan in Reichenberg (Liberec) und Gablonz (Jablonec) lebte. Vor allem die Gablonzer Jahre hat Pleyer später als „die glücklichsten meines Lebens“ (Aus meinen sieben Lebensjahrzehnten, Ms. im Nachlaß W. Pleyers) bezeichnet. Noch in Prag hatte er bei studierenden Bauernsöhnen Volksschwänke gesammelt, aus denen er seine ersten Geschichten fabulierte. Diese erschienen 1926 in dem Erzählband Aus Bauernland. Am 6. November 1927 heiratete Wilhelm Pleyer in Saaz (Zatec) Hilde Schäfer. Dieser Ehe entstammen die Tochter Helga (*1933) und der Sohn Siegbert (*1938).

Seit 1926 fungierte Wilhelm Pleyer als Gaugeschäftsführer und Hauptleitungsmitglied der im Prager Parlament vertretenen Deutschen Nationalpartei. Als diese extrem nationalistisch ausgerichtete Gruppierung 1933 in der Tschechoslowakei verboten wurde, zog sich Pleyer bald darauf aus der aktiven Politik zurück. Aufgrund seiner Berufstätigkeit hatte er sein Studium seit 1925 nur privat fortsetzen können; 1929 schloß er es mit einer Promotion über Erwin Guido Kolbenheyer ab. Zu Beginn des Jahres hatte er die Schriftleitung des „Gablonzer Tagblatts“ übernommen, für das er bereits zuvor tätig gewesen war. Zeitgleich wurde er Mitbegründer und verantwortlicher Schriftleiter des „Reichenberger Tagesboten“. Da Pleyer nie ein Pseudonym benutzte, brachten ihn Zeitungsbeiträge, Reden und Bücher oft vor Gericht. Wiederholt wurde er wegen antitschechischer Agitation oder illegaler Handlungen verurteilt und inhaftiert.

Die „deutsche Not“ in den böhmischen Ländern sei das frühste Thema seiner Gedichte und Erzählungen gewesen, schrieb Pleyer 1940 (Vom „Puchner“ zur „Maria ohne Kind“, 1940, im Nachlaß W. Pleyers). Eine Zielgruppe seiner Dichtung waren vor allem die Deutschen im Reich, die, so betonte er wiederholt, kaum etwas von den so genannten Grenzland- oder Auslandsdeutschen wußten. Für sie schrieb er Verse, die er in seinem 1932 erschienenen Band Deutschland ist größer! Gedichte eines Grenzlanddeutschen vorlegte. Pleyers Idee von Deutschland reichte weit über den deutschen Staat hinaus. Deutschland war für ihn überall dort, wo deutsch gesprochen wurde. Für diese Idee kämpfte er sein Leben lang überzeugt und leidenschaftlich, aber auch aggressiv und verbissen.

1932 wurde Wilhelm Pleyer für seine Lyrik mit dem Goethe-Preis des Vereins deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen „Concordia“ ausgezeichnet. Im gleichen Jahr erhielt er einen weiteren Preis, den der Kanka-Stiftung, zuerkannt von der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaften und Künste für die Tschechoslowakische Republik. Prämiert wurde der 1931 veröffentlichte Till Scheerauer. Der Roman eines jungen Deutschen, Pleyers erstes großes Prosawerk. Der Stoff wurde von Pleyer noch mehrmals bearbeitet. Bereits 1940 hatte er mit Tal der Kindheit den ersten Band einer Scheerauer-Trilogie publiziert, auf den 1952 Der Heimweg und 1959 Wege der Jugend folgten. 1934 übernahm Wilhelm Pleyer die Schriftleitung der in Reichenberg (Liberec) erscheinenden „Sudetendeutschen Monatshefte“, die er für zehn Jahre innehaben sollte. Diese Zeitschrift des „Bundes der Deutschen in der Tschechoslowakei“, trachtete danach – im großdeutschen Sinne - „politische Grenzen im Kulturellen durch die Pflege der Stammeskulturen“ (Aus meinen sieben Lebensjahrzehnten, Ms. im Nachlaß W. Pleyers) zu überwinden.

Eine enorme Wirkung erzielte Pleyer mit seinem 1934 erschienenen Roman Der Puchner. Vom Verlag wurde er angekündigt als „ein lebendiger, spannender, episodenreicher Tatsachenroman aus dem Leben der Sudetendeutschen (...): Im Schicksal eines Jünglings und Mannes und seines gleich ihm in Bedrängnis und Ausharren gereiften jungen Weibes spiegelt sich der ganze Kampf von 3 ½ Millionen Deutschen um ihre schwer bedrohte völkische Selbstbehauptung. Das Buch des jungen Dichters der Sudetendeutschen, der sich seit Jahren als ihr furchtloser politischer Führer bewährt hat, ist der Schicksalsroman des Grenzlanddeutschtums“ (Artikel über Wilhelm Pleyer in: Zeitungsausschnittsammlung des Deutschen Literaturarchivs). „Der Puchner“ war, wie vieles andere, das Pleyer schrieb, ein Roman, der aktuelle Gegebenheiten spiegelte und daher ein breites Publikum begeisterte. 1935 wurde er mit dem Preis des Bremer Carl-Schünemann-Verlages ausgezeichnet. Das damit verbundene Preisgeld betrug 2.000 RM. Heutige Leser stößt der ungehemmte Nationalismus, der breiten Raum einnehmende Antisemitismus und Rassismus des Romans ab.
Antisemitische Züge trug auch die 1935 einsetzende Kampagne gegen Josef Mühlberger. In „Die neue Literatur“, der führenden NS-Literaturzeitschrift, herausgegeben von Will Vesper, sowie in anderen reichs- und sudetendeutschen Blättern, hetzte Wilhelm Pleyer wiederholt gegen seinen Dichterkollegen, indem er ihn bezichtigte, enge Freundschaften zum Prager „jüdisch-literarischen Kreis“ zu unterhalten. Darüber hinaus machte Pleyer eine bei Mühlberger tatsächlich vorhandene homosexuelle Veranlagung publik und bezeichnete die in dessen 1937 publizierter Novelle „Die Knaben und der Fluß“ dargestellte Freundschaft zwischen zwei Jungen als „pervers“ und „widerlich“ (Becher, Peter (Hrsg.): Josef Mühlberger. München 1989) Gegen Gerüchte, die Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums habe verboten, ihn selbst weiter zu fördern, da er einen gegen das Deutsche Reich gerichteten Aufruf gezeichnet habe, setzte Pleyer sich massiv zur Wehr: „Seit 1921 schriftstellerisch tätig, bin ich der einzige sudetendeutsche Schriftsteller, der nie an ein Prager oder ein anderes Judenblatt einen Beitrag gesandt hat. Ebenso habe ich es seit je abgelehnt, über einen jüdischen Verlag in den deutschen Dichterhimmel zu klettern“ (Stellungnahme 1936 aus: Nachlaß W. Pleyers).

Erneut vom Kampf um das Land an der Sprachgrenze, aber auch vom bäuerlichen Leben und von der Liebe dreier Brüder zur selben Frau erzählt der 1936 erschienene Roman Die Brüder Tommahans, der in der Tschechoslowakei verboten wurde. Das nationalsozialistische Deutschland würdigte Pleyers Dichtung. Für Die Brüder Tommahans wurde er 1939 mit dem Literaturpreis der Reichshauptstadt Berlin ausgezeichnet. Zwei Jahre zuvor hatte er aus der Hand des Stuttgarter Oberbürgermeisters die Silberne Ehrenplakette des Deutschen Auslands-Instituts für seine Verdienste um das Deutschtum im Ausland erhalten.
Den 1938 erschienenen Gedichtband Lied aus Böhmen, priesen Rezensenten als ein Werk, in dem „das von einer brennenden Sehnsucht erfüllte Herz des Sudetendeutschen“ schlage (Artikel über Wilhelm Pleyer in: Zeitungsausschnittsammlung des Deutschen Literaturarchivs). Noch im gleichen Jahr wurde diese „Sehnsucht“ mit der Annektion der böhmischen Länder gestillt. Pleyer nahm die „Befreiung der deutschen Grenzlande (...) mit höchster Begeisterung (...)“ auf (September/Oktober 1938…, Ms. aus Nachlaß W. Pleyers).
1939 publizierte er einen Erlebnisbericht unter dem Titel Die letzten und die ersten Tage. Verse und Tagebuchblätter von Kampf und Befreiung. Die Schilderungen sind geprägt von Furcht vor der Rache der angeblich unberechenbaren Tschechen, die Pleyer als „schwerbewaffnete hussitische Banden“ (September/Oktober 1938…, Ms. aus Nachlaß W. Pleyers) diffamierte und dem mit Spannung erwarteten Einmarsch der Wehrmacht, die der Dichter in Reichenberg (Liberec) offiziell begrüßte. Der Nationalitätenstreit ist auch Thema in Pleyers 1938 publiziertem Buch Der Kampf um Böhmisch-Rust. Zwei Erzählungen. Mit dem Anschluß der böhmischen Länder sah Pleyer seine politische Mission im literarischen Gewand keineswegs als beendet an: „Wem (...) der Grenzlandkampf das Element seines Lebens ist, für den ergibt sich nach der Aufräumung des unmittelbaren politischen Themas eine Fülle von Stoffen, mit deren Behandlung er tiefer in die Dinge des Völkerkampfes und des Volksbestandes eindringen kann“ (Vom „Puchner“ zur „Maria ohne Kind“, 1940, im Nachlaß W. Pleyers). 1941 veröffentlichte er unter dem Titel Der Gurkenbaum heitere Geschichten sowie den Band Kämpfen und Lachen. Im folgenden Jahr erhielt er ein Reisestipendium der Kreditanstalt der Deutschen sowie den Volksdeutschen Schrifttumspreis der Stadt Stuttgart für den 1940 erschienenen ersten Band der Scheerauer-Trilogie, Das Tal der Kindheit.

Im März 1942 wurde Pleyer Soldat. Zunächst kam er zur Propaganda-Ausbildungsabteilung nach Potsdam und war anschließend u. a. Kriegsberichterstatter in Rußland. Dass er an der Front gestanden hatte, war ihm stets wichtig. Seine Berichte darüber veröffentlichte er bereits 1942 in Dichterfahrt durch Kampfgebiete. Ein Tagebuch. Für das beste Gedicht wurde Pleyer 1943 der Adalbert-Stifter-Preis des Verlages Volk und Reich verliehen, 1944 erhielt er für sein dichterisches Gesamtwerk das Ehrenzeichen des Gaues Sudetenland. Aufgrund einer Krankheit wurde Wilhelm Pleyer zu Beginn des Jahres 1945 aus der Wehrmacht entlassen und kehrte nach Reichenberg (Liberec) zurück. Im Mai floh er mit seiner Familie von Westböhmen aus nach Bayern. Der Plan, sich in München niederzulassen, scheiterte jedoch - insbesondere an der nicht erteilten Zuzugsgenehmigung.

Seit Juni 1945 lebte die Familie in Söcking am Starnberger See. Wilhelm Pleyer nahm die Arbeit an der erweiterten Neuauflage des „Till Scheerauer“ (publiziert 1949) wieder auf. Im Dezember 1945 wurde er durch eine amerikanische Behörde in Starnberg verhört und am 26. Februar 1946 verhaftet. Man brachte ihn in ein Internierungslager in Garmisch und lieferte ihm am 10. Juni 1946 an die Tschechoslowakei aus: „Die tschechischen Behörden stellten fest, daß ich weder gesucht noch angefordert war, und entließen mich nach einigen Monaten Polizeihaft ohne Verfahren, ja ohne Verhör in ein Abschublager. Ich wurde im ganzen korrekt, ja entgegenkommend behandelt, litt jedoch viel Hunger wie alle Deutschen in tschechischer Haft und hatte dieselbe überaus anstrengende Zwangsarbeit zu leisten (…)“ (Lebenslauf im Nachlaß W. Pleyers).

Nach anderthalb Jahren kam Pleyer im August 1947 nach Söcking zurück. Seine Hafterlebnisse veröffentlichte er 1953 unter dem Titel Aber wir grüßen den Morgen. Pleyer sah in dem Buch, das einen enormen Widerhall fand, „einen Tatsachenbericht, mit dem ich für die Millionen Schicksalsgefährten das befreiende Wort finden und ein Beispiel der Vergangenheitsbewältigung geben wollte“ (Aus meinen sieben Lebensjahrzehnten). Einer Vergangenheitsbewältigung im heutigen Sinne hat er sich jedoch nie gestellt. Sein radikales Weltbild blieb auch nach 1945 fest gefügt und wies keinen Bruch auf. Trotzig schrieb er später: „Es mag auf unseren guten Glauben gesündigt worden sein, - ich selber blieb mir treu, und deshalb verleugne ich keine Zeile, die ich geschrieben habe. Ich würde selbstverständlich manches heute nicht mehr schreiben, aber ich würde mich schämen, wenn ich meiner Begeisterung nicht so Ausdruck gegeben hätte, wie es geschehen ist“ (Stellungnahmen und Rechtfertigungen, aus: Nachlaß W. Pleyers).
Pleyer spielte herunter und vergaß seine eigenen antisemitischen Hetzereien. Stattdessen sah er sich selbst als Opfer. Die vielen Artikel, Aufsätze, Buchbesprechungen und anderen Beiträge, die er seit 1921 für Zeitungen und Zeitschriften verfaßt hatte, waren in ihrer Mehrzahl durch die Vertreibung verloren gegangen.

1948 erschien als sein erstes Nachkriegswerk Lob der Frauen. Eine Rahmenerzählung. Im Jahr darauf fungierte er als Herausgeber des Bandes Wir Sudetendeutschen. Der einst Vielgelesene schrieb fortan für einen wesentlich kleineren Kreis, der sich vornehmlich aus dem Umfeld der Heimatvertriebenen rekrutierte. Seinen 1951 erschienenen Lyrikband, in dem er Gedichte versammelte, die er seit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verfaßt hatte, nannte er Dennoch. Im gleichen Jahr erschien sein Roman Spieler in Gottes Hand. Ein breiteres Publikum gewann Pleyer aber auch mit diesem Buch nicht mehr. Stur beharrte er auf seiner völkischen, großdeutschen Haltung. Damit manövrierte er sich - ganz bewußt - mehr und mehr ins Abseits. Seit jeher gefiel sich Pleyer in der Rolle dessen, der für die Sache des deutschen Volkes leidet, Unrecht duldet und sich dennoch nicht beirren läßt. Um sein Auskommen zu sichern, ging er auf Lesereisen und hielt Vorträge. Zudem hatte er einen kleinen Buchvertrieb eingerichtet, der sich zunächst auf seine eigenen Bücher beschränkte, später jedoch auch Werke „von Freunden und Gesinnungsgenossen“ (Notiz über Hans Grimm, aus: Nachlaß W. Pleyers) anbot.

1957 brachte Pleyer eine Vielzahl von neuen Publikationen heraus. Es erschienen Musenbusserln. Unernste Gedichte, dazu Sudetenland – Böhmen. Ein Bilderbuch der unvergessenen Heimat mit hundert Aufnahmen, die Sammlung So tief ist keine Nacht. Geschichten aus der Zeit, der Essayband Gustav Leutelt, der Dichter des Isergebirges sowie Hirschau und Hockewanzl. Das Schwankbuch aus dem Sudetenland. Auf breiten Widerspruch aber stieß sein ebenfalls 1957 publiziertes „politisches Lesebuch“ mit dem Titel Europas unbekannte Mitte. Als sich der Bayerische Rundfunk im März 1957 in einer Sendung kritisch äußerte, reagierte der Dichter mit einem mehrseitigen Protestbrief: „Daß ich mich ‚zu Hitler bekenne’, wird kaum ein Leser meines Buches behaupten können (S. 212 u.a.!)“, schrieb er (Stellungnahmen und Rechtfertigungen, aus: Nachlaß W. Pleyers). Dies sei vielmehr eine „zweckbewußte Erfindung“. Er fühlte sich zu Unrecht verfolgt und damit in seiner Existenz bedroht. So seien zahlreiche Volkshochschulen und Volksbildungswerke, die eine seiner Lesereisen finanzieren wollten, aufgrund der Sendung nicht mehr dazu bereit, klagte er. Auch innerhalb der Sudetendeutschen Landsmannschaft, die ihn 1956 mit dem Förderpreis ausgezeichnet hatte, stieß er zunehmend auf Kritik.

Nach den Turbulenzen des Jahres 1957 publizierte Wilhelm Pleyer im darauffolgenden Jahr den Bildband Schönes Nordböhmen. Sein 1960 veröffentlichtes Schauspiel Die Nacht der Sieger wurde v.a. von Laienbühnen adaptiert. 1961 zog Pleyer mit Aus Winkeln und Welten eine erste literarische Bilanz; er versammelte in dem Band eine Auswahl seines erzählerischen Schaffens aus mehr als 40 Jahren. Gleiches tat er 1964 mit seinem lyrischen Werk, das er in der Sammlung Gedichte vieler Jahre zusammenfaßte. 1962 veröffentlichte er seine Gedenkrede auf Hans Grimm, Erwin Guido Kolbenheyer und Will Vesper, drei Schriftsteller, die seit 1945 aufgrund ihrer Rolle im Dritten Reich und der von ihnen weiterhin vertretenen politischen Weltanschauung heftig umstritten waren. Pleyer war mit ihnen eines Sinnes; zwischen 1963 und 1970 schrieb er zahlreiche politische und literarische Artikel für die rechtsradikale „Deutsche National-Zeitung“ und trat bei Versammlungen der 1964 gegründeten NPD auf. Die Sudetendeutsche Landsmannschaft fasste daraufhin 1965 den Beschluß, keine Veranstaltung mehr mit ihm zuzulassen.

Weitaus unverfänglicher war der letzte, von Pleyer 1969 publizierte Gedichtband Kleiner Weltzirkus. Allerlei Viechereien. Er enthält zahlreiche Vierzeiler, die, so der Dichter, aus einer Liebhaberei entstanden und über 40 Jahre zusammengetragen worden seien. 1970 publizierte Pleyer den Essayband Der deutsche Schriftsteller in dieser Zeit sowie Was Heimat ist. Worte eines Vertriebenen. Der Aphorismen-Band Mit wenigen Worten erschien 1976 postum, denn im Dezember 1974 ist Wilhelm Pleyer an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. Da er seine extrem deutsch-nationale, völkische Weltanschauung nie revidierte, wurde er nach 1945 im Kulturleben der Bundesrepublik weitgehend isoliert. Wilhelm Pleyers Name findet sich auch auf jenem „Dichterstein“, der 1963 oberhalb des Ortes Offenhausen bei Wels in Österreich errichtet wurde und der seither die Gemüter erregt. (Andrea Hohmeyer)