Achtes Böhmerwaldseminar in Hammern/Hamry

Von oben: Teilnehmer des Seminars, Tereza Rafoth von der Gedenkstätte Hartmanitz, Hana Frejková und Michal Hromek präsentieren jiddische Lieder, Markéta Lhotová mit Organisator Wolfgang Schwarz. Fotografien: © Dirk Plamböck

Hammern 20.-21. Juni 2009

Veranstaltungsort des Böhmerwaldseminars war das Hotel Královský dvůr in Hammern/Hamry.Das Schicksal der Juden in den Sudetengebieten in den Jahren 1938-1945 stand im Mittelpunkt des ersten Beitrags von Dr. Markéta Lhotová aus Reichenberg/Liberec. Die meisten Synagogen und Gebetshäuser im Sudetenland blieben im November 1938 nicht von Zerstörung und Brandstiftung verschont. 1939 lebten nach Flucht und Verfolgung dort nur noch 2 300 Juden, ein Jahr zuvor noch 24 000, allein in Teplitz/Teplice über 4 000. Isa Engelmann stellte ihre Recherchen zum Schicksal der Reichenberger Juden vor. Von den 700 deportierten Reichenberger Juden überleben den Holocaust nur 55 Menschen. An der Stelle der zerstörten Reichenberger Synagoge steht seit dem Jahr 2000 wieder ein jüdischer Gebetssaal, gleich neben dem Gebäude der Bibliothek der deutsch-tschechischen Versöhnung.

Tereza Rafoth von der Gedenksstätte des deutsch-tschechisch-jüdischen Zusammenlebens in Hartmanitz/Hartmanice berichtete vom Schicksal der jüdischen Glasfabrikanten-Familie Bloch, die einst über 300 Menschen der Region Arbeit gegeben hatte. Mit viel Glück hatte sie den noch lebenden Urenkel des Firmengründers, Walter Bloch, ausfindig gemacht, der lange in London lebte. Über ihn sowie über Eva Erben, eine jüdische Holocaust-Überlebende, haben Tereza und Eric Rafoth zwei beeindruckende Dokumentarfilme gedreht, die auch auf dem Seminar gezeigt wurden. Das abendliche Konzert mit jiddischen Liedern von Hana Frejková und Michal Hromek wurden von den Seminar-Teilnehmern mit großer Begeisterung angenommen.

Am zweiten Tag referierte Raimund Paleczek über die Darstellung und Rezeption der böhmischen Landespatrone, so z. B. des Hl. Wenzel, des Hl. Adalbert, der Hl. Ludmilla oder des Hl. Wolfgang. Manche von ihnen würden von (Sudeten)deutschen und Tschechen heute unterschiedlich wahrgenommen bzw. in einen nationalen Kontext gestellt. Von der hervorragenden Zusammenarbeit zwischen den ehemaligen Bewohnern von Hammern und Grün und den heute dort lebenden Menschen berichtete Oldřich Richter. Die Wiederherstellung der St.-Wolfgangs-Kirche in Grün/Zelená Lhota sei nur durch das Zusammenwirken der alten und neuen Bewohner so gut gelungen. Zum Abschluss wurde der Dokumentarfilm Nicht jeder Hietler ist ein Hitler von Václav Reischl gezeigt, der die Geschichte des kleinen Ortes Buchers (Pohoří na Šumavě) aus der Perspektive der alten und neuen Bewohner themtatisierte.

Über das Seminar ist am 14. Juli 2009 auch eine Beilage der Landeszeitung 15/2009 erschienen mit dem Titel: Lebenswege in Böhmen. Unter den Nachbarn waren Juden.