Geschichte des Adalbert Stifter Vereins

Baronin von Herzogenberg und Erich Mende bei der Eröffnung der Ausstellung "Flucht und Grenze", Bonn, 1964

Der Adalbert Stifter Verein wurde 1947 in München von Wissenschaftlern, Künstlern und Schriftstellern aus Prag und den Sudetengebieten gegründet. Seine ursprüngliche Tätigkeit bestand in der kulturellen Betreuung und Förderung der Vertriebenen. In den 50er Jahren entwickelte sich die Geschäftstelle zu einem Kulturinstitut im engeren Sinn, das sich auf die Erarbeitung von kulturgeschichtlichen Ausstellungen, die literaturgeschichtliche Forschung und die Förderung von Künstlern spezialisierte. Seit 1952 wird der Verein von der Bundesregierung institutionell gefördert.

In den folgenden Jahrzehnten erarbeitete er größere Ausstellungen u.a. über Johannes von Nepomuk, Kaiser Karl IV., Emil Orlik, Johann Amos Comenius sowie Prag als Drehscheibe der antinazistischen Emigration. Daneben gab er eine repräsentative Reihe von Kunstbänden zur böhmischen Kulturgeschichte heraus. Der erste Band (Barock in Böhmen) erschien 1964, der letzte Band (Böhmen im 19. Jahrhundert) 1995.

 Bereits in den 60er Jahren war der Verein um Kontakte zu tschechischen Künstlern und Wissenschaftlern bemüht. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings im Sommer 1968 bildete er in Zusammenarbeit mit InterNationes ein „Tschechoslowakisches Büro“, um tschechischen Emigranten zu helfen. Seit 1989 engagiert er sich neben seiner literatur- und kulturgeschichtlichen Tätigkeit für den deutsch-tschechischen Kulturaustausch.

Jüngste Geschichte des Vereins

Ausstellung "Stifterkontexte"
Ausstellung "Stifter-Kontexte", 2005

In den Jahren seit 1997 intensivierte der ASV die Zusammenarbeit mit Germanisten und Kulturwissenschaftlern aus Deutschland, Österreich und Tschechien. Dabei entstanden zwei Langzeitprojekte: Die Erforschung der Kulturgeschichte der NS-Jahre in Böhmen und Mähren und die Erstellung eines Lexikonwerks zur deutschsprachigen Literatur Böhmens im 19. und 20. Jahrhundert.

Zu den größeren Veranstaltungen zählte die Reihe "10 Jahre Sanfte Revolution", die der ASV im Herbst 1999 gemeinsam mit anderen Einrichtungen aus München und Regensburg durchführte. Höhepunkt war der Abend „Jazz und Lyrik“ mit den Autoren Peter Kurzeck (Uzès) und Jiří Stránský (Prag), sowie den Musikern Jiří Stivín (ebenfalls Prag) und Wolfgang Lackerschmid (Augsburg).

2005 beteiligte sich der Verein an den Veranstaltungen zum 200. Geburtstag Adalbert Stifters. Er organisierte Podiumsgespräche, Lesungen und Vorträge. Auf einem Donauschiff bei Passau vergab er den "Adalbert-Stifter-Preis für Schriftsteller und Übersetzer Mitteleuropas". Gemeinsam mit dem Münchner Germanisten Ulrich Dittmann (Idee und Konzeption) erarbeitete er die Austellung „Stifter-Kontexte. Zum Gebrauchswert eines Klassikers“.

Im Mai 2007 konnte der Verein sein 60jähriges Jubiläum feiern. Die Festansprache hielt Prof. Dr. Hans Lemberg. Grußworte sprachen der Botschafter der Tschechischen Republik in Berlin Rudolf Jindrák, die Staatsministerin für Arbeit- und Sozialordnung, Familie und Frauen Christa Stewens und Ministierialrat Wolfgang Käppler für den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.