Ausstellung
Keine Nacht so dunkel
Die ungewöhnliche Geschichte der Familie Wels, die vergessen werden sollte

Post Bellum
Es ist eine Geschichte, die in Vergessenheit geraten war; eine Geschichte, die durch den Holocaust zertrümmert wurde; eine Geschichte, die erst nach dem Tod des letzten Überlebenden ans Licht kam – die Geschichte Rudolf Wels’ und dessen Familie.
Rudolf Wels war ein bedeutender Architekt der Zwischenkriegszeit. Geboren 1882 in Osek, studierte er in Wien, belegte dort Privatkurse bei Adolf Loos und war zwei Jahre als Chefarchitekt in dessen Baukanzlei tätig. Anfang der 1920er Jahre ging Wels nach Karlsbad, wo er u. a. das Gebäude der Krankenversicherung und das Kurhaus Bellevue entwarf, für die angesehene Firma Moser Werksbauten um- und neu baute, und auch Glaserzeugnisse designte. Später, als er in Prag lebte, entwarf er dort mehrere Wohnhäuser und einen Anbau an das funktionalistische Palais Alfa, zusammen mit seinem Kollegen Guido Lagus aber auch Kulissen für mehrere Filmproduktionen, u. a. für Martin Frič’ legendäre Komödie Hej rup! („Hau ruck!“, 1934).
Das Münchner Abkommen und der darauffolgende Einmarsch der Deutschen Wehrmacht brachten zunächst ein Arbeitsverbot für den jüdischen Architekten und später den Tod für ihn und seine Familie. Nur dem älteren Sohn Tomáš gelang die Flucht, Rudolf Wels, seine Frau Ida und der jüngere Sohn Martin wurden in Auschwitz ermordet. Nach dem Krieg kehrte Tomáš kurz nach Prag zurück und stieß dort auf eine Kiste mit Dokumenten, die seine Eltern vor der Deportation nach Theresienstadt bei Freunden gelassen hatten. Er nahm die Kiste mit zurück nach Großbritannien und lagerte sie in einem Schrank. Erst nach seinem Tod wurde sie geöffnet.
Anhand der darin enthaltenen Briefen, Fotografien, Zeichnungen und Buchmanuskripten rekonstruiert die Ausstellung das gleichermaßen repräsentative wie einzigartige Leben einer Familie aus dem jüdischen Bürgertum vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg. Es entsteht dabei eine faszinierende Chronik und auch ein äußerst intimes Porträt bemerkenswerter Menschen, die einen bedeutenden Beitrag zur Geschichte und Kultur Mitteleuropas leisteten.
Kuratiert wurde die Ausstellung vom britischen Rundfunkjournalisten und Autor David Vaughan, der seit 1991 in Prag lebt.
Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder und des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg.