Buchvorstellung
Dagmar Leupold: Muttermale

Archiv Dagmar Leupold
Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war.
Muttermale, 2025 im Verlag Jung und Jung erschienen, ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht. Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.
Moderation: Zuzana Jürgens und Agata Kern
Dagmar Leupold wurde 1955 in Niederlahnstein geboren, sie lebt als Autorin und Übersetzerin in München. Sie studierte Germanistik, Philosophie und Klassische Philologie in Marburg, Tübingen und New York. Von 2004 bis 2021 leitete sie das Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen. Bereits 2004 widmete sie sich in dem Roman Nach den Kriegen. Roman eines Lebens ihrem Vater, der aus Oberschlesien stammte. Für ihr Werk, das Romane, Erzählungen, Gedichte und Essays umfasst, erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Literaturpreis der Stadt München. Muttermale wurde für den Bayerischen Buchpreis nominiert.
Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder und der Kulturreferentin für Ostpreußen und das Baltikum.