Die Stipendiaten des Stifter-Stipendiums 2026
Im 6. Jahrgang des Stifter-Stipendiums wurden die Lyrikerin und Autorin Theresa Klesper und der Schriftsteller Jan Štifter als Stifter-Stipendiaten 2026 ausgewählt.
Das Stipendium umfasst einen einmonatigen Residenzaufenthalt im September / Oktober im Geburtsort Adalbert Stifters in Oberplan / Horní Planá im Böhmerwald und ist mit 1.200 € dotiert.
Ziel des Stifter-Stipendiums in Oberplan/Horní Planá ist es, den ausgewählten Autorinnen und Autoren einen Raum für konzentrierte und kreative Arbeit zur Verfügung zu stellen und zwar im Böhmerwald, wo die deutsche und tschechische Kultur einander jahrhundertelang durchdrungen haben – wofür nicht nur Werk und Wirken Adalbert Stifters stehen.

Theresa Klesper
Den Residenzaufenthalt möchte Theresa Klesper für die Arbeit an ihrem zweiten Gedichtband mit dem Arbeitstitel Heimat der Wimpernpferde nutzen. Zu dem Titel des Bandes schreibt sie: „Das lyrische Ich bedient sich der unverbrauchten Perspektive der Wimpernpferde. Wimpernpferde sind Beobachter von uns Beheimateten und von uns Heimatsuchenden. Sie beleuchten mit ihrem frischen und prüfenden Blick uns vermeintlich Vertrautes, sie befragen kühn und geduldig Pförtner vor verschlossenen Türen.
Wimpernpferde leben zwischen Nebel und Wind, zwischen Wiesen und Wald, am Übergang von Tag und Nacht, in den weißen Räumen zwischen den Worten hier auf diesem Blatt. Sie sind Fremde und zugleich zutiefst verwurzelte Wesen, verbunden mit dem großen Ganzen. Auch befragen sie den Kosmos als Lebensraum.“
Poesie ist für Theresa Klesper ein „regelfreier Raum, in dem Dinge verhandelt werden können, die scheinbar nicht zusammen gehören, die vermeintlich nicht nebeneinander gestellt werden können. Dabei hat die Poesie nicht den Auftrag Lösungen aufzuzeigen und dennoch hat sie das Potential dazu: neue, vielleicht ‚verrückte‘ Zusammenhänge und Perspektiven und Möglichkeiten zu eröffnen, wachzurütteln. Manchmal kann Poesie auch zerrütten: damit dann Neues entstehen kann, wir uns an ungeahnte Ideen wagen, die uns als Individuum und Gesamtgesellschaft zu heilsamen Ufern geleiten können.“ Und zu Horní Planá/Oberplan ergänzt sie: „Ich bin neugierig darauf, im Umfeld von Oberplan Stifter wieder und neu zu entdecken, mich inspirieren zu lassen.“

Jan Štifter
Der Schriftsteller und Journalist Jan Štifter wurde 1984 in Budweis/České Budějovice geboren. Er studierte Kulturgeschichte an der Universität Pardubice und war danach in verschiedenen tschechischen Tageszeitungen als Redakteur tätig. Im Jahr 2013 gründete er das Lifestyle-Magazin Barbar!. Für seinen Roman Sběratel sněhu (2018; Der Schneesammler) erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Leserpreis des Wettbewerbs Česká kniha (Tschechisches Buch), eine Verfilmung wird aktuell vorbereitet. Seine Novelle Café Groll (2016) wurde vom Südböhmischen Theater adaptiert. Im Jahr 2024 veröffentlichte er im Verlag Vyšehrad den fragmentarischen Roman Krajina roztavených zvonů (Landschaft geschmolzener Glocken), dessen Hörspieladaption mit der Südböhmischen Thalia ausgezeichnet wurde. In allen seinen Büchern widmet er sich seiner Heimatstadt und der südböhmischen Region, insbesondere vergessenen Geschichten und Orten und dem Einfluss geschichtlicher Ereignisse auf das menschliche Leben. Außerdem organisiert er in Schweinitz/Trhové Sviny das Literaturfestival Svinenské čtení und dokumentiert die Schicksale der dortigen Zeitzeugen. Mit seiner Frau und vier Kindern lebt er in České Budějovice.
Seinen Residenzaufenthalt möchte er für die Arbeit an seinem neuen Buch nutzen, das die Region um Lipno als Phänomen vorstellt. Er schreibt dazu: „Ich bereite einen sehr persönlichen Reiseführer durch die Landschaft vor, in der wir unsere Wurzeln haben und wohin wir zurückkehren – ein Text an der Grenze zwischen Belletristik und Sachliteratur. Ich möchte am Ufer des Lipner Sees spazieren gehen, den Menschen hier zuhören und diese Inspiration direkt in Worte fassen. Ich möchte wieder für einen Monat ein Einwohner von Horní Planá sein, genau wie meine Vorfahren, die hier jahrhundertelang gelebt haben – ich möchte hier einen Text verfassen, der die Seele dieser Region einfängt.“
Die Jury
Die Auswahl der Stipendiatinnen erfolgte auf tschechischer Seite durch die Mobilitätskommission des Tschechischen Literaturzentrums. Die Jury für die bayerische Seite bestand aus Stefanie Gerhold (Autorin und Übersetzerin, Stifter-Stipendiatin 2025), Patricia Preuß (Literaturhaus Oberpfalz | Literaturarchiv Sulzbach-Rosenberg), Katrin Dirschwigl (Kulturhauptstadt München) und Zuzana Jürgens (Adalbert Stifter Verein – Kulturinstitut für die böhmischen Länder).
Das Stifter-Stipendium wurde vom Adalbert Stifter Verein – Kulturinstitut für die böhmischen Länder in Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek, Sektion Tschechisches Literaturzentrum und der Zweigstelle des Regionalmuseums Český Krumlov/Krumau – Adalbert-Stifter-Geburtshaus ausgeschrieben. Der Residenzaufenthalt wird von der Bayerischen Staatskanzlei gefördert.