Film und Gespräch
Königreich der Seifenblasen

Film & Sociologie
Der Film Königreich der Seifenblasen erzählt die spannende Geschichte der Unternehmerfamilie Schicht aus Aussig/Ústí nad Labem und ihres wichtigsten Produkts: der Kult-Seife mit dem Hirsch. Der Film handelt auch von den Nachkommen der Familie, die auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrer Verbindung zu einer Stadt sind, in der keiner von ihnen je gelebt hat.
Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin Taťána Marková und dem Historiker Tomáš Okurka.
In der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit genoss der Name Schicht denselben Ruf wie in Deutschland etwa Siemens, Dr. Oetker oder Henkel. Schicht galt als Synonym für Innovation und Qualität. Die deutschböhmische Unternehmerfamilie baute über drei Generationen hinweg ein Drogerie- und Lebensmittelimperium auf und trug so zur Entwicklung der Stadt Aussig/Ústí nad Labem und der gesamten Region bei. Die Schichts waren zugleich Mitbegründer des multinationalen Giganten Unilever, der heute Millionen Kunden auf der ganzen Welt hat.
Im Keller eines Dorfhauses in Ringelshain/Rynoltice begann der Firmengründer Georg Schicht 1848 mit der Seifenherstellung. Sein Sohn Johann, schon „Seifenkönig“ genannt, verlegte den Firmensitz nach Aussig und machte das Unternehmen zu einem der bedeutendsten in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Das Unternehmen beherrschte mit seinen Produkten den riesigen Markt der Monarchie. Neben der berühmten Seife mit dem Hirsch stellten sie Marken wie Elida-Kosmetik, Ceres- und Vittelo-Fette, Vegetol-Öl sowie Kalodont-Zahnpasta her. Das Wachstum des Unternehmens stieß auf dem europäischen Markt jedoch an Grenzen, vor allem durch Konkurrenten aus den Niederlanden und Großbritannien. 1929 gründeten die Schichts schließlich gemeinsam mit ihnen den multinationalen Giganten Unilever, zu dessen erstem Präsidenten Georg Schicht wurde, der daraufhin nach Großbritannien übersiedelte.
Die politische Entwicklung im nationalsozialistischen Deutschland stellte die Brüder Heinrich und Georg auf entgegengesetzte Seiten. Georg nahm 1939 die britische Staatsbürgerschaft an und unterstützte finanziell die tschechoslowakische Exilregierung in London. Seine drei Söhne kämpften in der britischen Armee. Zwar unterstützten einige Vertreter der Schicht-Familie in der besetzten Tschechoslowakei Hitlers Politik aktiv, doch Heinrich kooperierte nur pragmatisch mit dem Regime und trat niemals der NSDAP bei. Sein Sohn musste zur Wehrmacht und fiel in Polen. Heinrichs Familie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und gelangte schließlich in die Schweiz, wo sie den Rest ihres Lebens in einem Hotel wohnte.
Die Schicht-Werke wurden 1945 verstaatlicht und in „Nordböhmische Setuza-Werke“ umbenannt. Das ursprüngliche Produktionsprogramm wurde jedoch größtenteils noch weitere 50 Jahre fortgeführt. Noch Ende des 20. Jahrhunderts gehörte Setuza zu den am besten bewerteten Unternehmen in der Tschechoslowakei, bevor das Traditionswerk in den wilden Nachwendejahren durch Betrug und Veruntreuung unterging.
Eine Veranstaltung des Adalbert Stifter Vereins – Kulturinstitut für die böhmischen Länder, der Film & Sociologie und der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus. In Kooperation mit dem Generalkonsulat der Tschechischen Republik in Düsseldorf.
Gefördert durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.